Die Weimarer Nationalversammlung stand 1919 vor der Frage, wie das überkommene ständige  Schulsystem aus der Kaiserzeit der neuen demokratischen Republik anzupassen sei. Jedoch gab es über  den Weg dahin im Parlament teilweise konträre Auffassungen. Fortschrittliche Schulreformer wollten die  Forderungen der Revolution von 1848/49 verwirklichen und eine weltliche Lebens- und Arbeitsschule  schaffen sowie ein Reichsschulgesetz verabschieden, das das Schulwesen einheitlich für Deutschland  regeln würde. Die Schule sollte demokratischer und sozialer werden. Ein Schritt in diese Richtung war  bereits durch die Trennung von Staat und Kirche getan.   In der Nationalversammlung prallten jedoch gegensätzliche Meinungen aufeinander. Vor allem konservative  Abgeordnete weigerten sich, den Einfluss der Kirche auf die Schule zurück zu drängen. Im Ergebnis der  Debatte kam es zum "Weimarer Schulkompromiss". Vor allem ging es dabei um Konfessions- und  Strukturfragen.  Die Verfassung von 1919 schrieb zwar im Artikel 144 fest: "Das gesamte Schulwesen steht unter der  Aufsicht des Staates, er kann die Gemeinden daran beteiligen" Sie legte jedoch auch fest, dass das  länderspezifische, konfessionelle, dreigliedrige Schulwesen der Kaiserzeit weiterhin bestehen bleibt.  Deswegen gab es in der Weimarer Republik verschiedene Arten von Schulen. In den Simultanschulen  konnten sowohl Kinder beider Konfessionen als auch konfessionslose, wie Juden, gemeinsam unterrichtet  werden. Die Bekenntnisschulen waren für nur eine Konfession bestimmt. Die Einheitsschule legte auf ein  religiöses Bekenntnis keinen Wert. Der Besuch einer vierjährigen staatlichen Grundschule war für alle Kinder obligatorisch, private Vorschulen  wurden verboten. Die Schullaufbahn des Kindes sollte fortan durch seine Anlage und Neigung, und nicht  mehr durch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekenntnis seiner Eltern  bestimmt werden. Reich, Länder und Gemeinden wurden verpflichtet, den Zugang Minderbemittelter zu  den [weiterhin Schulgeld erhebenden] mittleren und höheren Schulen durch Stipendien zu erleichtern.  Privatschulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedurften der besonderen Genehmigung des Staates.   Die Grundsätze der schulischen Erziehung wurden in der Verfassung verankert. Als allgemeine  Unterrichtsprinzipien galten fortan sittliche Bildung, staatsbürgerliche Gesinnung, persönliche und  berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums und der Völkerversöhnung sowie Toleranz  gegenüber Andersdenkenden. "Staatsbürgerkunde" und "Arbeitsunterricht" wurden zu ordentlichen  Lehrfächern. Eine reichseinheitliche Neuregelung der Lehrerbildung kam jedoch nicht zustande. Zudem  bestanden als Ergebnis des "Schulkompromisses" Simultan-, Konfessions-- und weltliche Schulen  nebeneinander.  In Sachsen entstand auf Grundlage der parlamentarischen Mehrheit der Arbeiterparteien im Landtag  bereits am Beginn der Weimarer Republik ein umfassendes Schulreformkonzept, das sich mit den  Leitbegriffen allgemeine Volksschule/Einheitsschule, weltliche Schule, Arbeitsschule und selbst verwaltete  Schule umschreiben lässt. Seine besondere Dynamik und Ausprägung erhielt der Schulreformprozess in  erster Linie durch das schulpolitische und pädagogische Engagement der organisierten  Volksschullehrerschaft, vor allem seitens des Sächsischen Lehrervereins und seiner Bezirksverbände in  Leipzig, Dresden und Chemnitz. Von den Philologen wirkte nur der Bund Entschiedener Schulreformer im  gleichen Sinne.  Im Juli 1919 wurde das sächsische Volksschulgesetz von 1873 vom "Übergangsgesetz für das  Volksschulwesen" abgelöst und damit die ständisch geprägte Organisation des Volksschulwesens in  einfache (Bezirksschulen), mittlere (Bürgerschulen) und höhere Volksschulen (höhere Bürgerschulen)  aufgehoben und durch die schulgeldfreie allgemeine Volksschule mit der für alle Kinder gemeinsamen  vierjährigen Grundschule als Unterbau ersetzt. Dieses Gesetz  ächtete jegliche körperliche Züchtigung,  räumte den Lehrern großen Freiraum für selbstständige (reform-)pädagogische Arbeit ein, stärkte ihre Mitwirkungsrechte durch einen Lehrerrat  und schränkte andererseits die Aufsichts- und Entscheidungsfunktionen der Volksschulleiter ein. Zur Unterstützung der Schularbeit konnten  Elternräte gebildet werden. Obwohl ursprünglich nur als Zwischenlösung gedacht, hatte das Übergangsschulgesetz - wenn auch zum Teil nur  formell - bis 1933 Bestand  Das Schulsystem Die Schule in der Weimarer Republik - das Reformschulzimmer