Die Reformpädagogik Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich in der Volksschullehrerschaft Widerstand gegen die über  viele Jahrzehnte praktizierte lebensfremde und autoritäre „Paukschule“ zu regen. Der Widerstand verstärkte  sich nach der Jahrhundertwende. Aufwind erhielten diese Reformbestrebungen durch die Weimarer  Verfassung von 1919, die das Schulwesen erstmals reichseinheitlich regelte. Weil sie die Trennung von  Staat und Kirche festlegte, bestimmte nun allein der Staat über die Schulen. Durch die Zusammenfassung  der verschiedenen Bestrebungen zur Reform von Schule und allgemeiner Erziehung begann sich die  Reformpädagogik herauszubilden, die in Deutschland stark im Kontext mit Lebensreform- und  Jugendbewegung stand. Auch neueste Erkenntnisse der internationalen Pädagogik und Psychologie flossen  ein. Ellen Key hatte mit ihrem in Deutschland 1902 erschienen, gleichnamigen Buch „Das Jahrhundert des  Kindes“ proklamiert. Statt der repressiven „Rohrstockpädagogik“ sollte eine „Neue Schule“ entstehen, die  das SELBST des Kindes in den Mittelpunkt rückt. Eine euphorische Aufbruchstimmung erfasste zu Beginn der 20er Jahre auch die progressiven Dresdner  Volksschullehrer und einen kleinen Teil der Gymnasialpädagogen. Zumeist organisiert im Dresdner  Lehrerverein bzw. im Bund Entschiedener Schulreformer, infiltrierten sie partiell die Dresdner  Schullandschaft mit dem neuen Gedankengut. Potenzierten Niederschlag fanden diese Ideen in öffentlichen  Schulen, die den Versuchsschulstatus erhielten, sowie in mehreren markanten freien reformpädagogischen  Experimenten. So entstanden Schulgemeinden, die von der komplexen Mündigkeit ihrer Lehrer, Kinder und  Eltern geprägt waren. Schulische Selbstverwaltung, Lehrplanfreiheit, Koedukation (Mädchen und Jungen  werden gemeinsam unterrichtet, am Leben orientierter Gesamt- und Projektunterricht, kindliche  Selbstregulation und Selbstbildung, Leben und Lernen im Schullandheim, Friedenspädagogik,  Völkerverständigung, Lebenskundeunterricht sowie ein neues Lehrerselbstverständnis waren für die  Reformschulen jener Zeit charakteristisch.  Jede Form von Indoktrination und Fremdbestimmung ablehnend sahen sich vor allem die öffentlichen  Versuchsschulen von Beginn an den vehementen Angriffen deutschnationaler Kreise und christlicher  Elternvereine ausgesetzt. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 wurden diese reformpädagogischen  Versuchsschulexperimente zerschlagen. Die Vision von einer „Neuen Schule“ sollte für lange Zeit  ausgelöscht sein. In Dritten Reich und in der DDR verfemt und ignoriert, gewinnen die Reformschulen heute zunehmend an  Bedeutung. Für alle, die nach neuen Wegen für die Schule der Gegenwart suchen, sind sie Quelle der  Inspiration und der historischen Vergewisserung.  Die Schule in der Weimarer Republik - das Reformschulzimmer