Schulstrafen Die Schulstrafen während der Kaiserzeit sind legendär. Den  Rohrstock benutzte - fast - jeder Lehrer. Aber auch knien  auf einem Beutel mit Erbsen oder Kirschkernen, an den  Ohren ziehen und viele andere gehören dazu. Immer wieder  erhoben sich Stimmen gegen die körperliche Züchtigung.  Bereits im 16. Jahrhundert wurden unter dem Einfluss des  Humanismus die Lehrer zu Mäßigung und Zurückhaltung  ermahnt. Nach der Studienordnung der Jesuiten von 1599  sollte der Lehrer keinen Schüler schlagen und auch  Beschimpfungen vermeiden. Hauptprinzip war es „im Geiste  der Milde, in Frieden und Liebe“ vorzugehen. Ähnliche  Forderungen erhoben die großen Schulreformer des 17.  und 18. Jahrhunderts. Aber erst 1972 - in der DDR bereits  1949 - wurde die körperliche Züchtigung endgültig aus den  Schulen verbannt. Wenn ein Lehrer heute zuschlägt, muss er mit strenger Bestrafung rechnen.  In Sachsen waren schon seit dem Elementar-Volksschulgesetz von 1835 Schulstrafen genau geregelt. Dort  hieß es u.a. Um den Schulgesetzen Achtung zu verschaffen ... sind auch Strafen zulässig. ... Diese müssen  jedoch nicht nur mit Berücksichtigung der Gemütseigenschaften des Kindes angewendet und  mit Ruhe und Besonnenheit vollzogen werden, sondern sich auch nach der Beschaffenheit  des Vergehens und nach dem Grade der dabei Statt findenden Verschuldung richten.  § 77. Zu den zulässigen Strafmitteln gehören: geschärfte Erinnerung und Verweise; feierliche Rüge; öffentliche Vorhaltung im Beysein des Local=Schulinspectors oder bei Schulprüfungen; Anschreiben an eine besondere Tafel; Stehen= oder Heraustretenlassen in oder außer der Bankreihe; Hinstellen an die Wand oder an die Thüre im Schulzimmer; Zurücksetzen in der Classe oder auf eine besondere Bank für eine gewisse Zeit; Zurückbehalten und Nacharbeitenlassen in der Schule; schriftliche Anzeigen an die Aelteren; im äußersten Falle und nur nach fruchtlos gebliebener Anwendung der vorgenannten Mittel, Zufügung körperlichen Schmerzgefühls in angemessener und schicklicher Weise: § 78. Die Lehrer haben sich der ungebührlichen Ueberschreitung ihres Strafbefugnisses zu enthalten. (Aus dem sächsischen „Gesetz, das Elementar=Volksschulwesen betreffend“ vom 6. Juni 1835) "Von dem schwäbischen Schulmeister Häuberle, welcher nach 52jähriger Wirksamkeit 1782 starb, wird auf Grund eines von ihm genau geführten Verzeichnisses erzählt, daß er während seiner Aktivität verabreicht habe: 911527 Stockschläge, 124010 Rutenhiebe, 20989 Pfötchen und Klapse mit dem Lineal, 136715 Handschmisse, 10235 Maulschellen, 7905 Ohrfeigen, 1115800 Kopfnüsse und 22763 Notabenes mit Bibel, Katechismus, Gesangbuch und Grammatik. Daneben ließ er 777 mal Knaben auf Erbsen knieen und 613 mal auf ein dreieckiges Scheit Holz, 5001 mal den Esel tragen, 1707 mal die Rute hoch halten. Daneben hatte er noch 3000 Schimpfwörter zur Hand." Der Auflistung zufolge hat der Lehrer Häuberle während des Unterrichts etwa alle zwei Minuten einen Schüler bestraft. (Aus: J. Böhm,: Heinrich Brauns Dorfschule, Nürnberg 1884)  Das Kaiserzeitzimmer