1                  Die Geschichte der Schule  Wer unser Schulmuseum besucht wird sich spätestens nach seinem Rundgang die Frage stellen: „Wo überhaupt gab es  Schule zum ersten Mal , wo hat es damit angefangen?“ Wie bei vielen anderen Sachen natürlich bei den alten Ägyptern,  vor etwa 6000 Jahren, als die Hieroglyphen erfunden worden waren. Wer sie benutzen wollte, musste vorher in eine Schule  gehen und fleißig Schreiben und Lesen lernen und da s vier Jahre lang, denn zu den Hieroglyphen gehören etwa 700  verschiedene Zeichen. Die Lehrbücher bestanden aus Papyrus, auf denen die Vorlagen mit Pinseln gezeichnet waren. Sie  galt es nachzumalen. Die kleinen Ägypter besuchten etwa ab 5 Jahren die „Schule“. Unterrichtet wurde im Freien.. Kinder  von Bauern, Soldaten, Handwerkern sowie Mädchen waren nicht zugelassen, denn diese Ausbildung blieb nur Wenigen  vorbehalten, galt sie doch als Voraussetzung für eine gehobene Stellung als Schreiber, Priester, Beamter oder gar als  Baumeister.  Die Griechen waren es etwa ab 600 vor Christus, die mit ihren Schulen den nächsten Markstein setzten. Es war die Zeit  der großen Dichter, Philosophen und Mathematiker wie Platon, Thales, Pythagoras und anderen. Bildung wurde zum  Kennzeichen der Bürger. Wer das Bürgerrecht besaß schickte seine Kinder zum Unterricht. Im alten Athen besaßen fast  alle männlichen Bürger Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Besondere Fähigkeiten brauchten sie jedoch  als Rhetoriker, wenn sie ein öffentliches Amt anstrebten.  Dazu kamen Kenntnisse in Philosophie, Heerführung,  Technik usw.  Die Römer übernahmen große Teil des griechischen Schul- und Bildungswesens. Anfangs  war die Unterrichtssprache an den höheren Schulen ausschließlich Griechisch. Erst in der Zeit von Kaiser Augustus wurde  Latein eingeführt. Jetzt fanden auch römische Autoren Eingang in die Schulbildung. Später entwickelten die Römer die  „Sieben freien Künste“: Grammatik, Rhetorik und Dialektik ( das Trivium) sowie Arithmetik, Geometrie, Musik und  Astronomie (das Quadrivium). „Frei“ hießen diese Künste, weil nur frei Geborene, also keine Sklaven, unterrichtet werden  durften. Auch bei den Römern hatte die Redekunst einen hohen Stellenwert. Die entsprechenden Schulen dafür gelten als  die Vorform unserer heutigen Universitäten, und Kenntnisse der griechischen und lateinischen Sprache sind dort bis heute  in vielen Studienfächern eine Voraussetzung für einen Universitätsabschluss. Deswegen werden diese beiden Sprachen  noch immer an zahlreichen Gymnasien gelehrt.  Im Mittelalter waren schulische Bildung untrennbar mit dem Christentum verbunden. Schulen waren ausschließlich  kirchliche Schulen. Kloster-, Dom- und Stiftsschulen bestimmten die Schullandschaft. Vor allem Knaben wurden im Früh-  und Hochmittelalter zu Klerikern ausgebildet. Im Alter von sechs bis sieben Jahren traten sie in ein Kloster ein, um später  Mönch zu werden. Dann standen ihnen viele Wege offen, bis hin zum Universitätsprofessor. Ein Beispiel dafür ist Martin  Luther.  Auch Kindern aus ärmeren Schichten konnten dieser Weg gehen. Es gab jedoch auch einen anderen, der nicht zum  kirchlichen Dienst führte. Wer ihn beschreiten wollte musste eine „äußere Schule“ besuchen. Sie befand sich außerhalb  des Klosters, weil dessen Betreten nur Klerikern vorbehalten blieb.  Der Lehrplan an den Klosterschulen war durch den Glauben geprägt. Dazu gehörten neben religiösen Kenntnissen solche  in Latein sowie auswendig gelernte Psalmen und Chorgesänge. Die im 12. und 13. Jahrhundert entwickelnde Fernhandel  und die entstehenden Städte führten dazu, dass sich eine neue gesellschaftliche Schicht herausbildete: die Kaufleute. Sie  brauchten berufsspezifisches Wissen, mussten Rechnen und Briefe schreiben können, wenn sie bestehen wollten. Dieses  Wissen konnte man neben religiösen Kenntnissen an den neuen städtischen Schulen erwerben. Auf diese Schulen bauten  weitere mit speziellen Lerninhalten auf. Erinnert sei an den Rechenunterricht, den Adam Ries in Annaberg erteilte.  Wie in den kirchlichen Schulen wurden auch in den städtischen Kinder zwischen dem sechsten und siebenten Jahr  aufgenommen. Die Ausbildung dauerte sechs bis sieben Jahre.  An diesen städtischen „deutschen“ Schulen wurden auch Mädchen aufgenommen. Daraus entwickelten sich ab dem  14. Jahrhundert vereinzelt sogar Mädchenschulen.  Mit Beginn der Neuzeit (ab der Reformation) schwand im Schulwesen die dominierende Rolle der Kirche. In einigen  deutschen Regionen brach das von der katholischen Kirche beherrschte Schulwesen sogar völlig zusammen, denn die  Klöster wurden von den nun protestantischen Landesherren säkularisiert. Die Kritik an der katholischen Lehre und der  damit einher gehende Vertauensverlust übertrug sich auch auf die weltlichen Schulen. Das führte im 16. Jahrhundert zu  einer Schulkrise. Nun setzte sich Martin Luther besonders dafür ein, Schulen einzurichten und den Schulbesuch zu  überwachen. Fürsten und städtische Magistrate erließen darauf hin Schulordnungen. Ende des 16. Jahrhunderts gab es in  Deutschland bereits über 100 davon, die von den Kirchenordnungen losgelöst waren. Auch höhere Schulen, an den vor  allem Landesbeamte ausgebildet wurden, entstanden. Erinnert sei an die von Kurfürst Moritz geschaffenen sächsischen  Fürstenschulen in Meißen, Grimma und Schulpforta.  Allmählich hielt Deutsch als Unterrichtssprache Einzug. Zuvor war Latein so vorherrschend gewesen, dass es sogar Strafen  gab, wenn ein Schüler in seiner Muttersprache antwortete. Nun gab es Lerngruppen mit einem eigenen Lehrer, die Vorstufe  unserer heutigen Klassen. Das niedere Schulwesen wurde den Gemeinden unterstellt und die Lerninhalte auf die künftige  Tätigkeit des Kindes spezialisiert. Angehende Handwerker lernten beispielsweise, wie Rechnungen ausgestellt werden. Die  Prügelstrafe blieb jedoch gültig.  Der Unterricht auf dem Land blieb weit hinter dem in den Städten zurück. Dort blieb das berüchtigte  „Pantoffelgymnasium“ – mehrere Schuljahrgänge wurden in einem Zimmer parallel unterrichte - teilweise bis ins 20.  Jahrhundert erhalten. Es gab jedoch auch Fälle, in denen der Schulmeister von Hof zu Hof ging und die Kinder in den  Wohnungen unterrichtete. Unterricht gab es nur in den Wintermonaten oder im Anschluss an den sonntäglichen  Gottesdienst, weil die Bauern ihre Kinder zur Arbeit auf dem Feld brauchten. Deswegen hielt die Schulzeit oft bis zum 16.  oder 17. Lebensjahr an.  Mit der Aufklärung entwickelte sich eine neue Vorstellung vom vernunftgeleiteten, mündigen und zum Handeln berufenen  Menschen. Die Erziehung zum mündigen Bürger rückte in den Mittelpunkt der Pädagogik. Auch der Staat schaltete sich  mehr und mehr in das Schulwesen ein. Es wurde zu einer staatlichen Aufgabe und der Schulbesuch zur Pflicht. Das stieß  in der Bevölkerung auf Widerstand. Deswegen entstanden Fabrikschulen, in denen Arbeit und Unterricht aufeinander  abgestimmt waren. Die sich entwickelnde Industrie brauchte ausgebildete Arbeiter.  In den Volksschulen wurden Klassen eingeführt. Auch die Unterrichtsmethoden veränderten sich. Erstmals benutzten die  Kinder Schiefertafel und Griffel, die Lehrer Wandtafel und Kreide. Schüler sollten die Hand heben, wenn sie et was zum  Unterricht beitragen wollten. Neue Lernmethoden, wie die von Johann Heinrich Pestalozzi – die Kinder lernen Einheiten  wie beispielsweise Zahlen oder gesprochene Laute benutzen, um zum Ergebnis zu gelangen. In Dresdener trug Gustav  Friedrich Dinter mit seinen Methoden zu neuen Unterrichtsmethoden bei. Er schaffte u.a. die Prügelstrafe ab und legte  einen Schulgarten an. Auch Georg Kerschensteiner veröffentlichte Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Konzept vom  Arbeitsunterricht: die Reformpädagogik.  Bereits 1788 gab es das Abitur für ärmere Kinder als Stipendienprüfung, ab 1812 wurde es Voraussetzung für die höhere  Beamtenlaufbahn und ab 1834 Grundlage für jedes Universitätsstudium.   Mit dem Deutschen Kaiserreich war ein deutsche Nationalstaat entstanden. Er nutzte die Schule, um die kaiserliche  Herrschaft und die politische Ordnung zu festigen. 1899 erhielten die Schulen per kaiserlichen Erlass die Aufgabe, den  Schülern die Vorzüge der Monarchie gegenüber dem Sozialismus und dem Kommunismus näher zu bringen. Die Kinder  sollten neben Schreiben, Lesen, Rechnen und Religion auch Tugenden lernen, wie Gehorsam, Ordnung und  Selbstüberwindung. Vorbild war dafür der Soldat. Deswegen waren Soldatenspiele an der Tagesordnung. Zucht und  Ordnung sollte die geradlinige Ausrichtung der Schulbänke symbolisieren. Auch eine aufrechte Körperhaltung gehörte  dazu. Die Kinder mussten mit parallel nebeneinander stehenden Füßen sitzen.  Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich drei Schulformen heraus: Das humanistische Gymnasium, in dem alte Sprachen  zum Lehrplan gehörten, das Realgymnasium in dem anstelle von Griechisch moderne Fremdsprachen gelehrt wurden,  und die stark naturwissenschaftlich orientierte Oberrealschule. Die Unterrichtsinhalte gingen über das Volksschulniveau  hinaus. Doch Sachfächer, Realien genannt, wurden zunächst vernachlässigt. Das änderte sich durch die sich rasch  entwickelnde Industrie, die gut ausgebildete Fachleute brauchte. In der Folge entstanden berufsorientierte Realschulen für  den mittleren Bildungsweg. Diese Schulen legten verstärkt Wert auf Fächer mit sachbezogenen  Inhalten und mit Berufsbezug wie beispielsweise Mechanik. Mit diesen neuen mittleren Schulen war die Basis für das bis  heute in Deutschland übliche dreigliedrige Schulsystem geschaffen.   Die Weimarer Republik brach mit der starren Schulpolitik des Kaiserreichs. Die Staatsform ging von der Monarchie zur  Republik über. Obwohl es Bestrebungen gab, das Schulwesen zu zentralisieren blieb es weiterhin Ländersache.  Konservative Kreise hatten diesen Schritt verhindert. Veränderungen ergaben sich jedoch 1920 durch das  Reichsgrundschulgesetz. Es führte zusätzlich die Grundschule ein, deren Dauer auf vier Jahre festgesetzt war. Vorschulen  und elterlicher Privatunterricht waren fortan untersagt. Per Gesetz wurde das Abitur als Voraussetzung für ein Studium  festgeschrieben. Das galt einheitlich für alle deutschen Universitäten und Hochschulen. Bis dahin gab es  länderunterschiedliche Regelungen. So war das Abitur 1788 noch eine Stipendienprüfung für ärmere Kinder. Ab 1812  wurde es Voraussetzung für die höhere Beamtenlaufbahn  Insgesamt gab es während der Weimarer Republik keine wesentliche Neustrukturierung des Schulwesens. Dafür hielt  jedoch in den 20er Jahren die Reformpädagogik mehr und mehr Einzug. Jahrgangsübergreifende Lerngruppen fassten den  Stundenplan zu Lernböcken zusammen, Spiele und selbstverantwortliche Tätigkeiten lockerten den Unterricht auf. Das  Interesse an der Waldorfschul-Pädagogik und der von Maria Montessori stieg. Die erste deutsche Montessorischule  öffnete 1923 in Jena.  Ab 1933 änderte sich unter dem Einfluss der Nationalsozialisten der Inhalt der Schulpolitik. Geistige Bildung verlor an  Bedeutung. Dafür war es nun Aufgabe der Schule, kerngesunde Körper heran zu züchten. Erst danach sollten geistige  Fähigkeiten gefördert werden.  Das NS-System entzog den Ländern die Schulhoheit und zentralisierte sie. Fortan bestimmte das Reichsministerium  Lehrpläne und erließ für alle Schulen verbindliche Richtlinien. Die Schulen wurden dem Staat unterstellt. Lediglich  jüdische Schulen waren bis zur endgültigen Schließung 1942 die einzigen nichtstaatlichen Einrichtungen.  Um eine Elite für höhere Funktionen im Nazireich heranzubilden, entstanden spezielle Nationalsozialistische  Erziehungsanstalten (Napola). (Näheres unter dem Link „Das NS-Zimmer“)  Nach dem Ende des II. Weltkrieg gingen die Schulsysteme der beiden deutschen Staaten getrennte Wege. Zentrales  Element des Bildungssystems der DDR war die Polytechnische Oberschule. Sie war für alle Schüler Pflicht. Neben einer  umfangreichen Wissensvermittlung stand die Vermittlung handwerklicher und technischer Kenntnisse beim Unterrichtstag  in der Produktion im Mittelpunkt. Ziel war die Erziehung zur „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen  Persönlichkeit“. Dem diente auch die Freizeitgestaltung der Kinder, in der die Pionierorganisation und später die FDJ  (Freie Deutsche Jugend) eine große Rolle einnahmen.  Das System der zentralistisch gelenkten Einheitsschulen wurde durch Spezialschulen ergänzt, die als Talentschmiede  dienten. So gab es spezielle Schulen für Mathematik, Sport, Technik und Musik. (Siehe auch unter Link: „Das DDR-  Zimmer“)  Die Planwirtschaft wirkte bis in die Schulen hinein. Der Bedarf an ökonomischen Berufen bestimmte die  Bildungsmöglichkeiten, vor allem auch den Zugang zu den Universitäten. Dafür waren neben einem guten  Zensurendurchschnitt vor allem die Herkunft – Arbeiter oder Bauer, in der Rangfolge danach Intelligenz  – und die  politische Gesinnung des Bewerbers maßgebend. Im Unterschied zur Bundesrepublik wurde in der DDR Russisch als erste  Fremdsprache gelehrt, und es gab neben dem polytechnischen Unterricht die Fächer Schulgartenunterricht und  Wehrerziehung.  Mit dem Ende der DDR wurde im Osten Deutschlands weitgehend das bundesdeutsche Schulsystem übernommen.  Besonderheiten gibt es jedoch in allen neuen Bundesländern: Es werden integrative Zusammenschlüsse angestrebt, und  dadurch etabliert sich ein zweigliedriges Schulsystem.   Die alte Bundesrepublik hat im Gegensatz dazu das gegliederte System der Weimarer Republik nach 1945 wieder  eingeführt. Auch die Volksschulen wurden teilweise wieder konfessionell ausgerichtet. In den 60er Jahren verstärkte sich in  der Folge der 68er Bewegung die Kritik an der Rückständigkeit des (west-) deutschen Schulsystems und Forderungen nach  Reformen wurden laut.  Deswegen entwickelte der Bundesrat 1970 einen Strukturplan, der u.a. die Einführung eines  horizontal gegliederten Schulsystems sowie mehr Chancengleichheit durch die Förderung  sozial benachteiligter Kinder vorsah. Vorbild dafür waren die Schulsysteme anderer Länder,  speziell der skandinavischen. Leider wurden bis heute viele Vorschläge des Plans von 1972 noch nicht umgesetzt.  Unter Verwendung von „Deutsche Schulgeschichte“, herausgegeben vom Schulmuseum Bochum. Ausführlich unter http://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W28C6CQE563BOLDDE  Zurück zu “Die Austellung” Zurück zu “Die Austellung”