Das Kaiserzeitzimmer ist noch so erhalten, wie Kinder ihren Klassenraum zu Zeiten Kaiser  Wilhelms II. erleben konnten. Selbst das Wandpaneel und der Fußboden wurden nach  historischem Vorbild rekonstruiert. Wie uns Besucher berichteten hat sich an solchen  Klassenzimmern bis Ende der 50er Jahre kaum etwas verändert. Auf den Tischen liegen  Schiefertafel und Griffel. Wer will, kann sich hier selbst damit versuchen, am besten mit  Sütterlin, einer alten deutschen Schrift. Auf Wunsch erhalten Gruppen durch ein Mitglied  des Museumsvereins sogar Unterricht. Von diesem Angebot machen auch zahlreiche  Schulklassen Gebrauch. Voller Staunen erfahren die Kinder dabei, dass man früher dem  Lehrer die Hände vorweisen musste, damit er kontrollieren konnte, ob sie schmutzig sind.  Man hatte sich korrekt mit der auf die linke aufgestützten rechten Hand zu melden, bei der  Antwort aufzustehen und aus der Bank “auszutreten!”.  Nach dem Besuch hier wissen die Kinder auch, warum auf den ersten Zuckertüten  Osterhasen zu sehen waren - wegen des damaligen Einschulungstermin, und mancher  Rucksackträger von heute mag kaum glauben, dass es einst unterschiedliche Schulranzen  gab: mit kleiner Klappe für Mädchen und mit großer für Jungen. Die sollten bereits in de  Kindheit auf den militärischen Tornister vorbereiten.  Geschrieben wurde auf eine Schiefertafel. Fehler ließen sich so mit einem Schwamm leicht  auslöschen. Durch diese Methode sparten die Schüler das teure Papier. Die Kinder wurden  vorwiegend in der Sütterlin- bzw. der Kurrentschrift unterrichtet, je nach Bundesland. Als  erstes lernten sie ein O zu schreiben, weil das der leichteste Buchstabe ist.   Und der Rohrstock? Der lag gut sichtbar auf dem Katheder.