Das Schulsystem Im Deutschen Kaiserreich gab es zwar kein einheitliches Schulsystem. Doch die Schulsysteme der Länder  hatten in ihren Grundzügen die gleiche Struktur. Es gab allgemeinbildende Schulen, sogenannte  Erziehungsschulen, und Berufsschulen. Der Abschluss der Volksschule ist mit dem heutigen  Hauptschulabschluss vergleichbar. Dafür waren acht  Jahre Schulzeit zu absolvieren. Etwa 4/5 der  Bevölkerung besaßen diesen Abschluss. Für die  Erfordernisse eines Arbeiterlebens reichte er allemal.  Anders war es mit dem mittleren Schulwesen. Diese  Schulen hatten in den verschiedenen deutschen  Regionen unterschiedliche Namen: Mittel-, Real-,  oder Lateinschule. Sie sollten eine fundiertere  Bildung vermitteln, wie  sie vor allem für den  Mittelstand erforderlich war.   Das höhere Schulwesen unterschied zwischen  Jungen- und Mädchenschulen. Knaben besuchten  Gymnasien und Realgymnasien bzw. Progymnasien  und Realprogymnasien. Letztere waren keine  Vollzeitanstalten und hatten nur eine neunjährige  Schulzeit, während die Schulzeit in den Vollschulen  12 Jahre betrug. Abschluss: Abitur. Mädchen konnten nach der höheren Mädchenschule   - 10 Jahre - auf ein Lyzeum gehen. Lehrerinnen, seinerzeit für Frauen ein begehrter Beruf, besuchten ein  höheres Lehrerseminar, das Lehrerinnen für mittlere und höhere Mädchenschulen ausbildete. Ihren Beruf  konnten die Lehrerinnen ausüben, solange sie nicht heirateten. Danach mussten sie aus dem Schuldienst  ausscheiden. Die meisten Mädchen besuchten jedoch Frauenschulen. Dort lernten sie, wie später der  Haushalt der Familie zu bewältigen war.  Über die genannten Schulen gab es im Kaiserreich auch spezielle, so z. B. “Hilfsschulen” für schwer  erziehbare Kinder, für geistig Behinderte, für Taubstumme und Blinde und “Krüppelanstalten” für  Körperbehinderte.   Ende des 19. Jahrhunderts sollte eine Einheitsschule eingeführt werden. Das jedoch stieß auf Ablehnung, weil  viele meinten, Kinder der verschiedenen Stände seien zu unterschiedlich gebildet als dass sie gemeinsam  unterrichtet werden könnten.  In Sachsen bildete das Volksschulgesetz von 1873 eine gewisse Zäsur des Schulsystems. Es benannte  Religions- und Sittenlehre, deutsche Sprache mit Lesen und Schreiben, Rechnen, Formenlehre, Geschichte,  Erdkunde, Naturgeschichte und Naturlehre, Gesang, Zeichnen, Turnen sowie speziell für Mädchen  Nadelarbeit als zentrale Unterrichtsfächer. Der achtjährige Unterricht in der einfachen bzw. der eigentlichen  elementaren Volksschule erfolgte in zwei bis höchstens vier nach Alter getrennten Klassen.  Eine  geschlechterspezifische Klassentrennung war nicht üblich, allerdings wurde verlangt, dass Mädchen und  Jungen getrennt voneinander zu sitzen halten  Die höhere Volksschule sollte den Kindern eine Bildung vermitteln, die es ihnen ermöglichte, nach der  Schulentlassung in gewerblichen oder geschäftlichen Berufen tätig zu werden. Der Fächerkanon wurde zu  diesem Zweck erweitert. Allerdings führte der Gesetzgeber nicht weiter aus, um welche speziellen  Unterrichtsgegenstände es sich handeln sollte. Er schlug lediglich die Vermittlung von Fremdsprachen vor,  wobei eine moderne obligatorisch war war. Gleichwohl des gesteigerten Unterrichtsniveaus musste der erteilte  Unterricht nach den Maßgaben der „Elementarmethode“ vermittelt werden, d. h. ein praktisch-sachlich  orientierter Unterricht, der Zusammenhänge und Hintergründe anschaulich erläuterte. Der Schulbesuch einer  solchen Anstalt umfasste zehn Jahre. Ab dem dritten Schuljahr wurden die wöchentlichen Stundenzahlen  erhöht, von anfänglich 22 auf 30 Wochenstunden am Ende. Bei Jungen kam zusätzlich der Sportunterricht  hinzu. In den höheren Mädchenschulen hingegen war es möglich, den wissenschaftlichen Unterricht aufgrund  von Nadelarbeit um zwei bis drei Stunden zu reduzieren.  Die achtjährige Schulpflicht blieb auch nach dem Gesetz von 1873 bestehen: Kinder zwischen dem  vollendeten 6. und 14. Lebensjahr waren zum Schulbesuch verpflichtet. Die Einschulung erfolgte zu Ostern.  Im Unterschied zu 1835 wurde in der neuen Gesetzvorlage ein ausführliches und detailliertes Regularium  verfasst, um so jeglichen Verzug oder die Missachtung des Gesetzes von Beginn an zu unterbinden. Die  Schulentlassung war weiterhin an die Bedingung geknüpft, dass sie nur erfolgen durfte, wenn der Jugendliche  das allgemeine Schulziel erreicht hatte. Andernfalls wurde die Schuldauer um ein Jahr verlängert. Die  Entscheidung hierüber hatten der jeweilige Klassenlehrer und der Direktor gemeinsam zu treffen.    (Unter Verwendung von Daniela Vogt: “Bildungsgeschichte Sachsens im 19. Jahrhundert”) In Dresden oblag - wie auch in  den übrigen sächsischen  Großstädten - die Verwaltung  des Volksschulwesens dem  städtischen Schulamt. Das  wurde von einem juristisch  gebildeten Stadtrat geleitet, dem  seit 1891 als so genannter  Schulfachmann ein Stadtschulrat  zur Seite stand. Der  Schulamtsleiter war zugleich  Vorsitzender des  städtischen  Schulausschusses. Bis zum Schuljahr 1875/76 gab  es drei Arten von Volksschulen:  Bürger-, Bezirks- und Gemeinde- oder Armenschulen. Nach dem  Volksschulgesetz von 1873  galten die Bürgerschulen als  höhere, die Bezirksschulen als  mittlere Volksschulen. Da auch  die Dresdner Gemeinde- oder  Armenschulen über dem  landesdurchschnittlichen  Leistungsniveau der einfachen  Volksschule lagen und ihre  Schülerzahl zudem stark  zurückging, wurden sie Ostern  1876 mit den Bezirksschulen  verschmolzen. Beide Schultypen  umfassten acht Klassenstufen  und unterschieden sich im  Lehrplan nur wenig. Die  Bürgerschulen boten zusätzlich  Französisch als Fremdsprache  an und hatten aufgrund der  höheren Wochenstundenzahl  sowohl Vormittags- als auch  Nachmittagsunterricht. An  einigen Bürger- und  Bezirksschulen wurde privater  Englischunterricht eingerichtet.  Der Hauptunterschied zwischen  den beiden Volksschultypen lag  in der Höhe des Schulgeldes. (Quelle: Dr. Ulrich Amlung) Der Kantor und Lehrer Benno Schirmer mit einer         Mädchenklasse im Schuljahr 1905/06  Das Kaiserzeitzimmer