"Das Leben für die Brüder,  für das Vaterland, für  Kaiser und Reich, für den  Sieg zu geben, damit die  Lebenden Frieden und die  Toten Ruhe haben, lehrt  nicht nur der heidnische,  sondern auch der  christliche Glaube. Darum  ist der Krieg die hehrste  und heiligste Äußerung  menschlichen Handelns. Er  gibt Gelegenheit, nach  Gottes Geheiss das Höchste  für die Brüder zu opfern,  und schenkt den Tapferen  ewiges Leben."  Otto v.Gottberg Als Volk ohne Raum deutsch-national gesinnt Im Erziehungsziel jeder historischen Epoche des 20. Jahrhunderts manifestiert sich die jeweils  herrschende Ideologie, denn Erziehung und Schule dienten damals wie heute in erster Linie dazu, eine  vorgeblich egalitäre, in Wirklichkeit aber hierarchisch aufgebaute Gesellschaft zu formen. Das Interesse  des Kaisers, der Militärs und führender Wirtschaftskreise bestimmte den Inhalt des Schulunterrichts. Dem  Geschichtsunterricht kam dabei in erster Linie die Aufgabe zu, eine staatlich-nationale Identität zu  erzeugen. Die Schule ordnet sich damit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein in das Ziel des Kaiserreichs, in  der Bevölkerung eine möglichst umfassende Akzeptanz des Krieges zu erreichen. Er soll als Mittel  begriffen werden, eigene - deutsch-nationale - Interessen durchzusetzen. Nicht umsonst bezeichnet Kaiser  Wilhelm II. am 16. Juni 1888 in einer Ansprache an das Kunstpersonal der Königlichen Schauspiele    Schule und Theater als seine "Waffen". Auch 1889 äußerte sich der Kaiser zu diesem Thema: "Schon  längere Zeit hat mich der Gedanke beschäftigt, die Schule in ihren einzelnen Abstufungen nutzbar zu  machen, um der Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen entgegenzuwirken. In erster Linie  wird die Schule durch Pflege der Gottesfurcht und der Liebe zum Vaterlande die Grundlage für eine  gesunde Auffassung auch der staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu legen haben". Der Kaiser  meinte, die Lehrerschaft hätte die jungen Leute so instruieren müssen, dass sie ihm das Material bieten  würden, mit dem er im Staat arbeiten könnte.  In welche Richtung das zielt wird in seiner Ermahnung auf der Berliner Schulkonferenz 1890 deutlich:  "Bedenken Sie, was uns für ein Nachwuchs für die Landesverteidigung erwächst. Ich suche nach Soldaten,  wir wollen eine kräftige Generation haben, die auch als geistige Führer und Beamte dem Vaterlande  dienen." Deutlicher kann man das Erziehungsziel der deutschen Kaiserzeit - die Jahre von 1871 bis 1918 -  kaum ausdrücken. Diese Worte Wilhelm II. galten über die Jahrhundertwende hinaus und wurden immer  wieder von deutschen Pädagogen zitiert.  Thron und Altar bildeten in jener Zeit eine heilige Allianz. Das wirkte sich auf die Kriegserziehung aus, denn  die Religion sollte die jungen Männer psychisch für einen bevorstehenden Krieg stärken. Deutlich  formulierte das ein Oberkonsistorialrat Uhlhorn: "Wir wollen darauf hinaus, unsere jungen Leute zu einem  wehrhaften Volke zu machen.  Nur die Religion macht das Herz fest. Ja, 'es ist ein köstlich Ding, daß das  Herz fest werde', sagt der Apostel; Und wenn ich an die großen Kämpfe denke, die bevorstehen, da  müssen die jungen Leute wissen: darinnen stehet die Liebe, daß er das Leben für die Brüder gelassen hat  und wir sollen unser Leben für die Brüder lassen; daß wir das Leben nicht haben, um es möglichst lange zu  konservieren, sondern um es zu opfern für die Brüder."  In Sachsen schrieb das Volksschulgesetz von 1873 bereits im ersten Paragraphen fest, dass es Aufgabe  der Volksschule sei, “der Jugend nach Unterricht, Übung und Erziehung die Grundlagen sittlich religiöser  Bildung und die für das bürgerliche Leben nötigen allgemeinen Kenntnisse und Fertigkeiten zu gewähren”.    Das Kaiserzeitzimmer Das Erziehungsziel König Albert von Sachsen